Garnlänge berechnen
Nichts ist ärgerlicher als ein Faden, der zehn Zentimeter vor dem Ende ausgeht. Mit ein paar Faustregeln und einem kleinen Probestück schneidest du die Fäden so zu, dass es reicht, ohne dass am Ende meterweise Reste liegen.
Eine exakte Formel gibt es nicht, denn jeder knüpft etwas fester oder lockerer, und jedes Garn verhält sich anders. Mit Richtwerten kommst du aber sicher ans Ziel. Wichtig ist, zwischen der Fertiglänge (so lang soll das Stück werden) und der Zuschnittlänge (so lang schneidest du den Faden ab) zu unterscheiden.
Die Grundregel
Ein Arbeitsfaden, der durchgehend Knoten bildet, braucht ungefähr das Vierfache der Fertiglänge. Weil du Fäden meist mit einem Lerchenkopf aufhängst und dabei in der Mitte faltest, entstehen aus einem Zuschnitt zwei Arbeitsfäden. Deshalb gilt für den Zuschnitt: Fertiglänge × 4 × 2 = Fertiglänge × 8.
Das klingt nach viel, ist aber realistisch. Bei dichten Mustern reicht selbst das oft nicht.
Richtwerte je Knotenart
| Knoten oder Fläche | Verbrauch je Arbeitsfaden | Bemerkung |
|---|---|---|
| Füllfäden in Ketten | 1,5- bis 2-fach | laufen nur mit, werden kaum umschlungen |
| lockere versetzte Kreuzknoten | 3,5- bis 4-fach | mit Lücken zwischen den Reihen |
| dichte Kreuzknoten, Spiralen | 4,5- bis 5-fach | Knoten direkt untereinander |
| Rippenknoten-Flächen | 5- bis 6-fach | jeder Faden läuft zweimal um den Leitfaden |
| Fransen | + gewünschte Fransenlänge | direkt zur Fertiglänge addieren |
Die Werte sind Erfahrungswerte, die du als Ausgangspunkt nutzen kannst. Dickes Garn braucht tendenziell mehr als dünnes, weil jeder Knoten mehr Material umschließt.
Rechenbeispiel: Wandbehang
Du planst einen Wandbehang, der 50 cm lang geknüpft ist und darunter 20 cm Fransen hat. Das Muster besteht überwiegend aus versetzten Kreuzknoten, dazu eine Reihe Rippenknoten.
- Geknüpfter Teil: 50 cm × 4,5 (Mischwert) = 225 cm je Arbeitsfaden.
- Fransen dazu: 225 cm + 20 cm = 245 cm.
- Sicherheitszuschlag für Aufhängen und Handhabung: etwa 10 %, also rund 270 cm.
- Weil der Faden gefaltet wird: 270 cm × 2 = 540 cm Zuschnitt je Faden.
- Bei 16 Zuschnitten brauchst du also etwa 86 Meter Garn.
Schneide die äußersten Fäden etwas länger zu. Sie werden bei Rippenknoten gern als Leitfäden verwendet und bei versetzten Kreuzknoten öfter als Arbeitsfäden genutzt als die Fäden in der Mitte.
Das Musterstück
Die zuverlässigste Methode ist ein kleines Probestück. Schneide zwei Fäden auf genau einen Meter, hänge sie auf und knüpfe 10 cm deines Musters. Miss dann, wie viel von jedem Faden übrig ist. Hast du 45 cm verbraucht, liegt dein Faktor bei 4,5. Mit diesem Wert rechnest du das ganze Stück hoch. Das Musterstück kostet eine Viertelstunde, spart aber viel Ärger.

Wenn der Faden doch nicht reicht
Ein zu kurzer Faden ist kein Weltuntergang. Bei Kreuzknoten kannst du Arbeits- und Füllfaden tauschen: Der kurze Faden wandert in die Mitte, ein langer Füllfaden übernimmt das Knüpfen. Alternativ setzt du einen neuen Faden an, indem du ihn in einem Knoten mitführst und das alte Ende auf der Rückseite versteckst.
Reste sinnvoll nutzen
Kurze Reste von 30 bis 80 cm sind perfekt für Schlüsselanhänger, Quasten und Übungsstücke. Wer Reste nach Stärke sortiert aufbewahrt, hat immer Material für einen schnellen Versuch – etwa, um einen neuen Knoten zu lernen, bevor er an einem großen Stück zum Einsatz kommt.